Lebenslauf

Wenn ich einen Wunsch an den lieben Gott frei hätte,
so wäre mir das allerallerwichtigste,
dass meine Tiergefährten genauso lange leben wie ich selbst.
Der einzige Schatten in meiner Liebe zu den Tieren ist einzig und allein
die Tatsache, dass ihre Lebenszeit so viel kürzer ist als die der Menschen
und dass somit im Laufe eines Menschenlebens
viele Trennungen von lieb gewonnenen Tierfreunden stattfinden.

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Mein „langer“ Lebenslauf

Wie schön, Dich hier auf meiner Homepage begrüßen zu dürfen!

Es ist mir sehr wichtig, Dir zu zeigen, warum ich den Weg meines Lebens, nämlich zwischen Tier und Mensch zu vermitteln, mit so viel Kraft und noch mehr Liebe weitergehe.
Damit Du mich also ein bisschen kennen lernst, erzähle ich Dir meinen „ tierischen“ Lebenslauf (bitte nicht erschrecken, ich werde wirklich versuchen, mich kurz zu fassen!):

Im Jahre 1961 erblickte ich als zweite Tochter meiner Eltern das Licht der Welt. Unser Familienleben gestaltete sich eher schwierig. Meine Eltern (zwischen denen ein Altersunterschied von beinahe 20 Jahren lag) führten eine ziemlich angespannte Beziehung. Es gab viele Streitereien und Auseinandersetzungen. Da meine Schwester fast 6 Jahre älter ist als ich, war unser Verhältnis damals auch nur sehr oberflächlich. Fast noch problematischer waren allerdings ständige Ortswechsel, wodurch für uns Kinder keine Möglichkeit von länger dauernden Freundschaften zu anderen Kindern bestand.

So wuchs ich im Grunde genommen sehr einsam auf. Es war allerdings schon zu Kinderzeiten ein großes Geschenk für mich, bei den Tieren Trost und auch Schutz zu finden. Während meiner Kindheit freundete ich mich mit vielen Tieren an. Die Freundschaften zu ihnen dauerten aber auch nie länger an, weil meine Eltern (bedingt durch neue Umzüge) die Tiere einfach wieder abschafften.

Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe, werde ich von diesen wundervollen Freundschaften, die ich als Kind zu Tieren hatte, schreiben. Jetzt allerdings bleibe ich erst mal dabei, weiter aus meinem Leben zu erzählen:

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Mit 10 Jahren bekam ich von dem damaligen Freund meiner Schwester einen Papagei, und zwar eine Gelbstirnamazone, geschenkt.
Ich liebte Lora vom ersten Augenblick unseres Zusammentreffens an. Noch heute erinnere ich mich mit großer Freude an die vielen Erlebnisse, die wir zusammen hatten.
Wir unternahmen endlose Spaziergänge durch die freie Natur. Im Wald ließ ich Lora frei auf Bäumen herumklettern. Manchmal flog sie in großen Kreisen um mich herum. Wir spielten dann Fangen oder manchmal auch Verstecken. Lora war so klug! Wir verlebten eine glückliche Zeit miteinander. Ich konnte Lora immer von all meinen Sorgen und kindlichen Nöten erzählen. Sie hörte mit endloser Geduld zu und tröstete mich durch liebevolle Gefühle, die sie mir übersandte.

Noch jetzt, während des Schreibens, fange ich fast an zu weinen, wenn ich daran denke, wie Lora und ich getrennt wurden.

Lora wohnte schon ein gutes Jahr bei uns, als die Entscheidung meiner Eltern feststand: Lora wird verkauft. Die macht zuviel Dreck und auch zuviel Krach. An ihrer Stelle sollte ich dann wieder einen Hund bekommen.
Als Lora „wegkam“, brach für mich eine Welt zusammen. Wie sollte ich ohne meine liebe Freundin überhaupt jemals wieder lachen oder frö hlich sein können? Ich glaube nicht, dass meinen Eltern klar war, wie sehr sie mich mit ihrer Entscheidung getroffen haben.

Einige Monate später traf ich Hasso. Er war ein Kettenhund. Sein Besitzer, der noch viele andere Tiere hielt, warnte mich ausdrücklich vor Hasso: „Der ist sehr bissig und böse.“ Ich freundete mich trotzdem mit Hasso an. Er hatte ein qualvolles Leben hinter sich – und die Zeit, die er jetzt an der Kette verbringen musste, stimmte ihn nicht gerade fröhlicher.

Ich führte endlose Diskussionen mit meinen Eltern.
Als ich Lora abgeben musste, hatten sie mir einen Hund versprochen – und wahrscheinlich an einen Dackel oder Pudel gedacht. Ich setzte nun alles daran, sie zu überzeugen, dass Hasso der einzig richtige Hund für mich wäre. Schließlich erklärte sich mein Vater bereit, mit Einverständnis von Hassos Besitzer, einen Zwinger auf dessen Grundstück zu bauen. Damit Hasso nicht mehr an der Kette leben musste. Der ältere Herr, für dessen Tiere ich schon seit längerem sorgte, stimmte sogar zu, uns Hasso zu verkaufen.

Ich war so glücklich, endlich wieder einen Freund an meiner Seite zu haben!

Mit Hasso begann eine wundervolle Zeit. Ähnlich wie mit Lora unternahm ich nun mit ihm endlose Spaziergänge. Doch etwas war anders.
Manchmal fielen Hasso Erlebnisse aus seinem Leben ein. Er war dann sehr gereizt und ich hatte große Mühe, ihn wieder zu beruhigen.
Je älter er wurde, umso schlimmer wurde sein Benehmen in manchen Situationen. Es kam nicht selten vor, dass ich Angst vor Hasso hatte. Ich war damals ja selbst noch ein Kind. Und wenn ich auch Bilder aus Hassos Leben wahrnehmen konnte, so konnte ich ihm doch nicht helfen. Schließlich wurden Hassos „Launen“ meinen Eltern zu gefährlich und es kam, wie es kommen musste: Wir wurden getrennt.

Diesmal war es meine Schwester, die mir eine junge Schäferhündin schenkte. Zu Laika, so hieß die Kleine, bekam ich aber leider nie eine richtige Beziehung. Wahrscheinlich waren all die vielen Trennungen die ich von Tieren erleben musste, zuviel für ein Kind. Ich war wohl nicht mehr bereit, in eine neue Beziehung einzusteigen.

Dann aber kam Bimbo!
Er war ein fast weißer Esel, den der ältere Herr, bei dem ich immer noch half, auf einem Viehmarkt gekauft hatte. Zwischen Bimbo und mir gab es vom ersten Tag an ein enges Band der Freundschaft. Manchmal durfte ich mit Bimbo sogar ausreiten. Wir machten dann weite Ausflüge, in denen wir lange Pausen an Wegrändern machten, an denen Bimbo dann grasen konnte und ich ein wenig träumend neben ihm hockte.

Die Tierhaltung bei dem älteren Herrn wurde jedoch von Monat zu Monat schlechter. Die Tiere hungerten und dursteten. Mein Vater verbot mir, jeden Nachmittag zu ihnen zu gehen, weil meine schulischen Leistungen nicht seinen Ansprüchen genügten. Und eines Tages stand der Tierschutzverein bei dem alten Herrn auf der Matte. Zwei Männer machten sich Notizen und drohten mit Wegnahme der Tiere.

Trotz dieser Drohung änderte sich nichts. Und nach zwei Wochen erfolgte ein weiterer Besuch der Tierschutzleute. Diesmal waren sie ziemlich wütend. Sie drohten diesmal nicht nur, sondern luden ausgerechnet Bimbo auf einen mitgebrachten Anhänger. Ich stand gemeinsam mit ihm auf dem Anhänger und weinte. Die beiden Männer waren recht freundlich und erklärten, ich könne Bimbo ja im Tierheim besuchen. Da würde es ihm auf jeden Fall besser gehen.

Wenige Tage später stand ein Bericht über ihn in der Zeitung. Er schloss mit dem Hinweis, dass Bimbo für 50 DM in gute Hände abzugeben sei. Alles Weinen und Betteln half nicht:
diesmal ließen sich meine Eltern nicht erweichen – ich sah Bimbo nie wieder.

Ich habe Bimbo jedoch nie vergessen.
So kam mir vor einigen Wochen die Idee, in nächster Zeit für einige Esel, die in Not geraten sind, hier bei uns ein neues Heim zu schaffen. Aber zunächst erzähle ich, wie es weiterging.

Die nächsten Jahre meines Lebens verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Oder na ja, vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass im Jahr 1977 bei mir ein Sehnervenschwund an beiden Augen festgestellt wurde. Trotz eines längeren Krankenhausaufenthaltes konnte die Ursache nicht festgestellt werden.

1980 erfüllte sich dann ein großer Traum. Ich begann nach endlos langer Suche (damals gab es noch nicht so viele Tierärzte) eine Ausbildung zur Tierarzthelferin bei einem Schwerter Tierarzt. Von meinen offiziellen Dienstzeiten einmal abgesehen, verbrachte ich jede mir nur mögliche Zeit in der Praxis.

Jocky_kl

Jeder Tag verlief nun gleich und ich war sehr glücklich. Ich arbeitete viele Stunden täglich in der Praxis. Meine komplette Freizeit verbrachte ich mit Jocky. Er war mein wundervoller Hundegefährte, mit dem ich endlose Wanderungen machte.

Eines Tages besuchten wir einen Hundeplatz. Jocky und ich waren begeistert von den vielen Dingen, die wir dort lernen konnten. Gemeinsam schmiedeten wir gewaltige Pläne von Prüfungen, die wir natürlich als Sieger verlassen würden. Naja, so perfekt wurden wir dann doch nicht – aber das war auch vollkommen egal.
Wichtig war, dass wir beide Spaß an den Übungen hatten. Und immerhin, ein paar Prüfungen schafften wir sogar.

Gleich die erste Prüfung haben wir „versiebt“, weil Jocky einen Mordsspaß hatte, allen zu zeigen, wie sehr er mir auf der Nase herumtanzen konnte. In seiner Abschlussrede sagte der Richter zu uns: „Ihr zwei wart nicht die Besten – aber mit Abstand die Lustigsten, die ich je bei einer Prüfung erlebt habe.“

Er gab mir noch den Rat, dass ich mich Jocky gegenüber besser und härter durchsetzen müsste. Natürlich hörte ich mir brav seine Ratschläge an – allerdings hätte ich mir nicht vorstellen können, meinen lieben Freund Jocky, nur weil er so lustig war, zu bestrafen oder gar verändern zu wollen. Und immerhin: Wir schafften trotz unserer lustigen Art Prüfungen bis „Schutzhund III “.

In all den Jahren bekam ich Botschaften von den Tieren übermittelt.
Für mich war allerdings klar, dass das nicht sein konnte. Das gibt es doch gar nicht. Das sind Tiere und ich bin ein Mensch.
Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, mit einem Menschen darüber zu reden. Für die Botschaften, die ich empfing, hatte ich immer endlos viele Erklärungen: Ganz klar, das war so etwas wie der 7. Sinn – oder manchmal hab ich einfach so eine Vorahnung usw. usw. Ich sagte nie, das hat mir ein Tier übermittelt. Das hätte mir auch sowieso kein Mensch geglaubt.

Allerdings fühlte ich mich durch den Tierarzt bestätigt, der zwar von den Botschaften der Tiere nicht wusste, der mich aber sehr oft zu Rate zog, wenn schwierige Tiere zu behandeln waren. Zu den Tierbesitzern sagte er dann immer: „Wir lassen Ihr Tier jetzt kurz mit Fräulein Pfeffer (so hieß ich damals noch) allein“.

Nicht selten war es dann so, dass ich ängstliche Tiere oder bissige Hunde in kürzester Zeit beruhigen konnte, so das anschließend eine Behandlung möglich war.
Natürlich freute ich mich immer sehr über ein Lob seitens der Tierbesitzer und natürlich auch des Tierarztes.
Da mir aber nicht mal selbst klar war, was ich da eigentlich tat, hätte ich es auch kaum anderen Menschen erklären können.

So gelang es mir über viele Jahre, meine Fähigkeit, mit Tieren zu reden, vor allen anderen Menschen zu verbergen. Und vor mir selbst wollte ich das ja auch nicht wahrhaben. Meine Verdrängungsmechanismen funktionierten vortrefflich.

Am 23.Juli 1984 wurde ich jedoch auf eine harte Probe gestellt. Ich werde diesen Tag und den darauf folgenden nie vergessen. In den letzten Jahren war mein Leben in ruhigen Bahnen verlaufen. Ich war für mich selbst verantwortlich – nie mehr würde ich mich zwingen lassen, mich von einem geliebten Tier zu trennen. Das dachte ich – und ich sollte eines besseren belehrt werden.

Der 23. Juli war ein wunderschöner warmer Sommertag. Trotz großer Hitze tobte Jocky mit einem anderen Hund im Garten herum. Ich stand ein Stück abseits und sah den beiden Hunden bei ihrem nicht enden wollenden Spiel zu. Vollkommen überraschend nahm ich eine Botschaft von Jocky auf: „Ich sterbe“

Es waren nur diese beiden Worten. Mir gingen hundert eigene Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Nein, das konnte, das durfte nicht wahr sein. Jocky war munter, gesund und platzte fast vor Energie. Wie sollte er da sterben??? Und außerdem war er noch nicht mal 5 Jahre alt. Was immer das gewesen war, was ich da gerade wahrgenommen hatte, das konnte nicht sein! Für mich stand also fest: Da hab ich mir wieder mal was eingebildet.

Am 24.Juli starb Jocky. Mein geliebter Jocky starb.

Was an diesem Tag passierte, war für mich einfach unfassbar. Morgens war noch alles in bester Ordnung. Ich ging vor der Arbeit mit Jocky spazieren und anschließend fütterte ich ihn. Es war nicht nur das kleinste Zeichen der uns bevorstehenden Tragödie wahrnehmbar. Nachmittags war ich zum Geburtstagskaffee bei einer Nachbarin eingeladen. Da Jocky sowieso frei im Garten herumlaufen konnte, war ich nicht wirklich in Zeitbedrängnis. Es war ja egal, ob ich nun eine Stunde früher oder später mit Jocky spazieren gehen würde.

Als ich bei Jocky ankam schien alles in Ordnung zu sein. Vielleicht war er nicht ganz so munter wie sonst. Aber es war schließlich auch sehr heiß draußen. Ich gab ihm frisches Wasser, was er auch sofort trank. 5 Sekunden später allerdings erbrach er das Wasser wieder. Ich wurde sehr unruhig und brachte Jocky zum Tierarzt. Nach kurzer Untersuchung stand fest, dass er einen Darmverschluss hatte und umgehend operiert werden musste.

Während der gesamten Operation saß ich neben Jocky und hielt seine linke Pfote in meiner Hand. Nach der OP machte der Tierarzt mir Mut. Die restliche Nacht verbrachte ich gemeinsam mit Jocky in der Praxis. Irgendwann war ich eingeschlafen. Jocky atmete ruhig und schlief noch den Rest der Narkose nach. Da konnte ich also ruhigen Gewissens auch ein wenig die Augen zumachen.

Gegen 4.00 Uhr erwachte ich. Und kurz danach war auch Jocky wach. Ich war so unendlich glücklich. Jocky begann langsam auf mich zu zu kriechen. Ich rutschte ihm auf der Erde entgegen und wir freuten uns beide sehr, als wir uns berührten.Jocky leckte über meine Hand. Er tat das mit unglaublicher Zuneigung und Liebe.

Dann hörte er auf, meine Hand zu lecken. Er fing plötzlich wie verrückt an zu hecheln. Alles ging so schnell,dass ich überhaupt nicht begriff, was passierte. Wenige Sekunden später erbrach er eine riesige Menge Blut. Dann hörte er auf zu atmen.

Ich konnte nicht fassen, was da geschehen war. Zum allerersten Mal in meinem Leben fing ich vor Schmerz und Verzweiflung an zu schreien. Ich weiß nicht, wie lange ich so neben Jocky saß. Irgendwann rief ich den Tierarzt an, der auch kurze Zeit später in der Praxis war. Aber auch er konnte Jocky nicht mehr helfen.

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Jocky war tot.
Die nächsten Tage, Wochen und Monate verliefen vollkommen trostlos. Ich fühlte mich sehr einsam und Jocky fehlte mir in jeder Minute des Tages.

Im folgenden Jahr schenkte meine Schwester mir einen Schäferhund, der aus der Zucht ihres Mannes stammte.
Gildo, so hieß der Hund, war bereits 4 Jahre alt. Er sollte abgegeben werden, weil er auf einer großen Zuchtschau versagt hatte.

Eigentlich wollte ich Gildo überhaupt nicht und nahm ihn nur, um meiner Schwester einen Gefallen zu tun. Er konnte mir über Jockys Verlust nicht wirklich hinweghelfen. Immerhin, im Laufe der Zeit entwickelten wir eine gute Freundschaft zueinander.

Mein nächster Hundegefährte kam dann auch bald zu mir. Ich wollte unbedingt wieder einen Welpen haben. Ich dachte mir, wenn ich einen Welpen bekommen würde, wäre von Anfang an wieder eine ähnliche Beziehung wie zu Jocky da. Und so kam „ Sorry “ zu mir. Er war erst 8 Wochen und es war wundervoll, wieder einen Welpen zu haben.

Sorry wuchs sehr schnell heran. Er war ein wunderbarer Hund – allerdings vollkommen anders als Jocky. Sorry hatte in den seltensten Fällen Zeit für mich. Wenn ich ihn gedanklich ansprach, ließ er sich nur sehr kurz darauf ein. Bei Spaziergängen fand er immer alles spannender als meine Gedanken, die ich an ihn richtete.

Sorry war die Freude und Gutmütigkeit in Person – aber eben ganz anders als Jocky. Ich redete häufig mit Sorry darüber, dass ich das Gefühl hätte, ihn zu vernachlässigen, weil ich bei ihm auf „taube Ohren“ stieß. Sorry sah das vollkommen anders. Er liebte seine Freiheiten und die endlos langen Spaziergänge. Für ihn war Bewegung und Spaß einfach sein Leben.Ich konnte ihn da gut verstehen und wir führten 13 Jahre lang eine harmonische, wenn auch manchmal etwas turbulente Beziehung.

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Und dann, im März 1986, kam „Clarence“ zu mir. Meine Schwester bat mich, ihn mit der Flasche großzuziehen, da die Mutter nicht genug Milch hatte, und seine Zukunft sonst sehr ungewiss gewesen wäre. Eigentlich fühlte ich mich ü berfordert. Das lag an „Wunder“, einem Schafslamm, das die letzten 4 Wochen als „Flaschenkind“ bei mir in der Wohnung gelebt hatte.

Solche „Fälle“ gab es zwischendurch immer mal wieder und eigentlich hätte ich erst mal eine kleine Pause und ein paar Nächte Schlaf gebraucht. Aber na ja, der kleine Welpe, gerade erst 14 Tage alt, brauchte Hilfe. Also, wenn auch nicht mit Begeisterung, erklärte ich mich bereit, ihn aufzuziehen, um ihn später in gute Hände zu vermitteln.

Clarence war gerade erst zwei Tage bei mir, da hätte ich ihn schon um keinen Preis mehr hergeben wollen. Ich hatte immer geglaubt, dass es eine Beziehung wie zu Jocky nie mehr geben würde – Clarence räumte mit Leichtigkeit all meine Zweifel aus dem Wege. Es war fast unglaublich, wie sehr wir bereits nach wenigen Tagen miteinander verbunden waren.

Ich hatte nun drei Hunde an meiner Seite, neben all den anderen Tieren (Schafe, Enten, Kaninchen usw.) die im Laufe der Zeit zu mir gekommen waren. Auf diese Zeit blicke ich noch heute mit viel Freude zurück.

Die nächsten Jahre verliefen, zumindest in tierischer Hinsicht, recht reibungslos und ohne größere Ereignisse. Ich fasse diese Jahre nun auch absichtlich etwas kürzer, um endlich wieder der Gegenwart etwas näher zu kommen.

1990 zog ich zu meinem damaligen Freund nach Wiedenbrück. Ein Jahr lang fuhr ich fast täglich die gesamte Strecke bis nach Schwerte (ca. 80km), um weiter in der Tierarztpraxis zu arbeiten.

Nach einem Jahr musste ich dann allerdings einsehen, dass ich der Belastung auf Dauer nicht gewachsen sein würde. Die endlosen Stunden die ich auf der Autobahn verbrachte, waren einfach nicht auszuhalten. Zwar fuhren meine Hundegefährten immer mit und verbrachten dann den Tag im Garten – dennoch – uns fehlten die Spaziergänge und unsere gemeinsame Freizeit.
Schweren Herzens entschloss ich mich schließlich, meine langjährige Tätigkeit bei dem Tierarzt zu beenden. Noch heute denke ich oft an die schönen Jahre zurück, die ich in der Tierarztpraxis erleben durfte.

Im März 1993 trat dann für mich persönlich eine große Veränderung ein. Ich musste endlich zugeben, dass die Beziehung zu meinem damaligen Freund endgültig gescheitert war. So sehr ich es mir auch gewünscht hätte, es gab für uns keine gemeinsame Zukunft mehr.
Zu unterschiedlich waren unsere Einstellungen, nicht nur hinsichtlich der Tiere, von denen er auch einige „ hielt“, nein, es war insgesamt auch die Einstellung zum Leben.

Als kurzes Beispiel dazu möchte ich die Geschichte von Gildos Tod erzählen. Mit meinem lieben Freund Gildo hatte ich nach anfänglichen Schwierigkeiten, von denen ich ja bereits berichtete, eine wundervolle Zeit. Egal in welcher Situation, ich konnte mich immer auf Gildo verlassen und er war mir über die vielen gemeinsamen Jahre ein guter Freund geworden.

Als er dann starb, wurde sein Tod von meinem damaligen Partner allerdings nur mit den Worten: Der war halt alt! abgetan. Und so stieß ich bei ihm immer wieder auf vollkommene Kälte und Unverständnis. Es war gut, dass wir unsere Beziehung beendeten.

Wo ich nun gerade auf dieser ganz persönlichen Schiene bin, erzähle ich auch noch kurz von Christoph. Ich lernte ihn im April 1993 kennen – also ganz kurz nach der Trennung meines damaligen Partners. Bis zu Christophs Auftauchen war für mich immer ganz klar gewesen, dass ich niemals heiraten würde. Zu schmerzhaft und prägend waren die Erinnerungen aus meiner Kinderzeit gewesen, in der ich ja ständig mit der angespannten Lage meiner Eltern konfrontiert wurde. Nein!!! So sollte es mir nie ergehen.

Als Christoph mich dann allerdings am 5.Juli 1993 fragte, ob ich ihn heiraten will, sagte ich ohne Zögern: JA!!!! Am 15.10.1993 wurden wir getraut. Heute, fast 10 Jahre später, ist mir zwar immer noch klar, dass unsere Heirat (bei ganz freier Entscheidung) zwar sehr überstürzt und unüberlegt und trotzdem für uns beide die beste Entscheidung unseres Lebens war. Ich bin unendlich glücklich, dass Christoph an meiner Seite ist.

Aber auch wenn ich nun verheiratet war, so spielten doch meine Tiere weiterhin eine ganz große Rolle in meinem Leben. Einige Monate hindurch „beschränkte“ sich meine Tierfamilie auf Clarence und Sorry.

Zwar war immer eine ganz tiefe Beziehung zu den Tieren vorhanden gewesen, mit Clarence nahm aber alles noch viel intensivere Formen an. Für Clarence und mich hätte auch ein Leben ganz ohne Worte gereicht. Ich kann mich kaum an eine Situation erinnern, in der einer nicht vom anderen wusste, worum es ging.
Nicht selten meinten Freunde: Clarence guckt genau wie Du. Doch obwohl diese Nähe und Vertrautheit zwischen uns bestand, weigerte ich mich immer noch, endlich zu meiner Gabe, die Gedanken der Tiere wahrzunehmen, zu stehen.
Meine Angst, für verrückt oder durchgedreht zu gelten, war einfach zu groß.

Dann, 10 Jahre nachdem Jocky seinen Tod angekündigt hatte, wiederholte sich dieses Erlebnis mit Clarence. Und wieder, genau wie bei Jocky, konnte und wollte ich es nicht glauben. Clarence war, ebenso wie damals Jocky, munter und zufrieden.

In all den Jahren die ich mit Clarence verlebt hatte, hatte ich zwar immer seine Botschaften verstehen können. Bei dieser letzten, die ich von ihm bekam, weigerte ich mich jedoch.
Mittags, nachdem wir einen schönen Spaziergang gemacht hatten und ich nun kurz vor Dienstbeginn war (zu der Zeit arbeitete ich in einem Heim für geistig Behinderte), saßen wir noch gemeinsam in der Küche. Clarence, der auf einem Teppich vor mir lag, sah mich an und übermittelte in meine Gedanken: Ich sterbe.

Ich werde niemals diesen Moment vergessen können. Er sah mich ganz fest an und ich hatte, wie schon so oft in den vergangenen Jahren das Gefühl, als würde er mir bis tief in meine Seele blicken. Mein einziger eigener Gedanke war, dass das nicht sein könne, nicht sein dürfe. Clarence, ein Leben ohne Clarence, nein, das wäre einfach undenkbar.

Ich schaltete meine eigenen Gedanken, in erster Linie wohl aus Selbstschutz, ab. Aber auch das sollte mir nicht helfen. Am 7.10.1994, einen Tag nachdem er mir die Botschaft übermittelt hatte, war Clarence tot.

In den Monaten, die auf Clarences Tod folgten, fiel ich in ein tiefes „Loch“. Ich fühlte mich unendlich einsam, hilflos und verlassen. Und im tiefsten Inneren meines Herzens war deutlich die Botschaft wahrnehmbar: Du hast es genau gewusst.Und wieder hatte ich nicht den Mut, zu dieser Tatsache zu stehen.
Ein damaliger Arbeitskollege und Freund, der lange Zeit in Indien gelebt hatte, hätte vielleicht geglaubt, was ich ihm gerne erzählt hätte. Aber selbst zu ihm sagte ich nichts von meinen Erlebnissen.

Ich wollte nun keinen Hund oder ein anderes Tier mehr haben. Ich hatte noch Sorry, und das sollte reichen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, jemals, nach Clarence, wieder einen Hundegefährten zu haben. Allerdings, das musste ich nach kurzer Zeit einsehen, hatte ich nicht mehr allein meine Entscheidungen zu treffen.

Ich redete lange mit Christoph über meine Beweggründe, keinen neuen Hund mehr haben zu wollen. Er konnte das überhaupt nicht verstehen. Er sagte nur, das er sich so sehr einen neuen Hund wünsche, damit ich wieder ein klein wenig fröhlicher würde. Nach einer Weile gab ich schließlich nach. Ich konnte mich allerdings überhaupt nicht auf die Suche einlassen, da ich tief in meinem Inneren einen neuen Hund ablehnte. Ich wollte nur Christoph nicht enttäuschen, der sich so sehr bemühte, mir eine Freude zu machen.

An einem Samstag fuhren wir zu einem Hundezüchter, der gerade einen Wurf Schäferhundwelpen hatte, bei dem auch zwei Langhaarwelpen waren. Sowohl Christoph als auch mir war klar: Es sollte wieder ein Langhaarschäferhund sein. Bei uns geht es dabei nicht speziell um die Rasse Schäferhund, sondern eher um die vielen guten Erlebnisse, die ich mit dieser Hunderasse verband.

Der Züchter holte die beiden etwa 5 Wochen alten Welpen ins Wohnzimmer. Christoph war ziemlich aufgeregt und sagte: Nun such Dir mal einen aus. Mir war aber vollkommen egal, welcher Welpe es sein sollte und so erwiderte ich, dass ich ihm das überlasse. Christoph war etwas ratlos, als plötzlich einer der beiden Welpen das Spiel unterbrach und direkt auf mich zulief. Bei mir angekommen, setzte er sich vor mich hin und sah mir ganz tief in die Augen. Ich konnte das kaum aushalten und fing an zu weinen.

Christoph erklärte dem Züchter, was vor kurzem mit Clarence geschehen war und dass wir diesen kleinen Welpen, mich der ja offensichtlich ausgesucht habe, nehmen würden.

Heute, also an dem Tag an dem ich diese Geschichte schreibe, ist der 1.9.2003. Und morgen wird der kleine Welpe nun schon 9 Jahre alt. Wenn ich auf all die vielen Jahre zurückblicke, kann ich kaum glauben, dass schon wieder so viel Zeit vergangen ist.

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Als „Einstein“ (den Namen hatten wir gemeinsam ausgesucht) zu uns kam, war er gerade 8 Wochen alt. Es fiel mir sehr schwer, mich ganz und gar um ihn zu kümmern. Zu groß war noch der Schmerz und die Trauer um Clarences Verlust. Insgesamt brauchten Einstein und ich fast ein ganzes Jahr, um endlich ganz und mit Haut, Haar und jeder Faser unseres Seins miteinander Freundschaft zu schließen.

Einstein, der mich auch vor viele Prüfungen stellte, hat aber letztendlich ganz wesentlich dazu beigetragen, dass ich endlich, endlich zu meiner Fähigkeit, die Tiere zu verstehen, stand. Dazu fällt mir spontan eine Geschichte ein: Ich war mit Einstein unterwegs, um Christoph von der Arbeit abzuholen, als uns ein Mann mit seinem Hund entgegenkam. Noch bevor irgendwer ein Wort gesagt hatte, übermittelte mir Einstein: „Der beißt“.

Zunächst blieb ich stehen. Einstein setzte sich hin und wir warteten. Der offensichtlich gestresste Mann rief uns zu, dass er noch einen Moment brauche, bis er seinen Hund angebunden habe. Der sei so bissig zu anderen Hunden, dass er ihn nur durch anbinden bändigen könne.

Ganz kurz und knapp übermittelte mir Einstein einige Gedanken, die ich an den Hund senden sollte. Ohne lange zu überlegen, sprach ich den Hund gedanklich an. Schon nach wenigen Augenblicken sendete er neugierig zurück, dass wir n äher kommen dürften. Einstein, der Hund und ich waren sofort in einen tiefem Gedankenaustausch gefangen. Der Hund erz ählte, was ihn so misstrauisch und bissig gemacht hatte.

Dem Mann, der immer noch damit beschäftigt war, die Leine sicher an einem Baum zu befestigen, schenkten wir zunächst gar keine Aufmerksamkeit. Er beobachtete uns zunächst schweigend, sagte dann nach kurzer Zeit sehr erstaunt, dass er seinen Hund schon seit Jahren nicht mehr so friedlich erlebt hätte. Mein Hund müsse offensichtlich ein ganz besonderer Hund sein, der seinen Hund nicht zur Bissigkeit reize.

Ich unterhielt mich eine Weile mit dem Mann und versuchte, ihm einige Situationen aus dem Leben seines Hundes zu erzählen. Leider ging er nicht wirklich darauf ein. Er war vollkommen davon überzeugt, dass Einstein eine fast einschl äfernde, entspannende Wirkung auf seinen Hund hätte. Natürlich war ich meilenweit davon entfernt, ihm zu erzä hlen, dass ich mit seinem Hund Kontakt per Gedanken aufgenommen hatte und dieser deshalb entspannt und ruhig war.

Nachdem wir noch eine Weile geredet hatten, verabschiedeten wir uns voneinander. Der Mann zog einen kleinen Ball aus seiner Tasche, welchen er Einstein schenkte. Zu mir sagte er: „Wenn ein Hund so eine tolle beruhigende Ausstrahlung hat, das muss man doch anerkennen.“ Auf dem weiteren Spaziergang versuchte Einstein, mich im Reden mit Tieren zu bestärken.

Im Oktober 1996 nahm mein Leben noch einmal eine deutliche Wende (auch in Bezug auf den Gedankenaustausch mit Tieren), als ich eine Ausbildung zur Krankenschwester an der Westf. Klinik in Eickelborn begann. Bei dieser Klinik handelt es sich um eine psychiatrische Einrichtung. Der Umgang mit den Menschen, die teilweise seit vielen Jahren in der Klinik lebten, war ganz neu für mich. Ich hatte dort viele Erlebnisse und Kontakte, die mich sehr tief berührten.

Die Ausbildung dort gefiel mir gut. Ich lernte neben vielen praktischen Fähigkeiten auch sehr viel über diverse Krankheitsbilder. Allerdings wurde mir auch sehr schnell klar, dass meine Ausbildung sofort beendet wäre, wenn ich auch nur ein einziges Mal meine Gespräche mit Tieren erwähnt hätte. Sicher wäre man davon ausgegangen, dass ich selbst psychisch erkrankt sei.

Die für mich logische Folge aus dieser Vermutung war, nie und niemanden von meiner Verständigungsmöglichkeit mit den Tieren zu erzählen. (Heute allerdings, rund 8 Jahre nach Ausbildungsbeginn, würde es mir gewaltig Freude bereiten, mit einigen Ärzten oder auch Lehrern über die telepathische Kommunikation mit den Tieren zu reden.)

Juli 1997 dann fand Christoph in einem Maisfeld in der Nähe unseres damaligen Wohnortes eine Katze. Wenn ich heute an diesen Tag zurückdenke, überkommt mich immer noch ein ganz tiefes Gefühl. Mit Schnurre, so nannten wir das armselig heruntergekommene Kätzchen, änderte sich noch einmal alles!

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Es fing damit an, dass am nächsten Tag ein weiterer halb verhungerter Katzengeselle vor unserer Tür stand. Offensichtlich hatte Schnurre ihm von der vortrefflichen Verköstigung bei uns berichtet, so dass auch dieses Katzentier (das wir Pru nannten) den Weg zu uns fand. Diese beiden wundervollen Geschöpfe waren schon nach wenigen Tagen aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

In der Anfangszeit waren die beiden Katzen nicht nur halb verhungert, sondern auch ziemlich krank. Pru, der besonders schlimm unter einem Schnupfen zu leiden hatte, brauchte sehr lange, um wieder halbwegs fit zu werden. Die Tierärztin, die ihn damals behandelte und ihm sicher auch das Leben rettete, sagte allerdings, dass er immer Restsymptome behalten würde. Mit dieser Vermutung behielt sie leider recht, aber das stört unseren lieben Katerfreund Pru eher wenig.

Nachdem Schnurre und Pru nun schon einige Zeit bei uns lebten, entdeckte ich auf einem nahe gelegenen Bauernhof zwei ganz armselige, fast schon tote Katzenbabys. Es war klar, dass ich nicht einfach weitergehen konnte. Ich nahm die beiden also mit nach Hause. Zunächst sah es so aus, als hätten beide zumindest eine kleine Überlebenschance.

Die kleine Katzendame, die ich „Schlicht“ getauft hatte, verstarb allerdings .Ich hatte so sehr gehofft, dass sie genug Lebenswillen hätte. Aber der Start in ihr Leben war doch zu anstrengend gewesen. Es blieb also nur der Kater, hochachtungsvoll „Luxus“ gerufen. Die Verbindung zwischen Luxus und mir wurde mit jedem Tag intensiver und vertrauter. Schon nach wenigen Monaten war er zu einem stattlichen Kater herangewachsen.

Schnurre_kl
In den nächsten Monaten wurde Christophs und natürlich auch mein Wunsch nach Katzenkindern von Luxus und Schnurre immer größer. Natürlich war uns klar, dass es bereits unzählige Katzen gibt und dass das Katzenelend teilweise unertr äglich groß ist. Trotzdem entschlossen wir uns, ein einiges Mal mitzuerleben, wie kleine Katzenbabys geboren werden und aufwachsen.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1998 brachte Schnurre 4 Katzenwelpen zur Welt. Die Geburt verlief in ruhiger Atmosphäre und Schnurre hatte kaum Mühe, diese große Leistung zu vollbringen. Diese nächtliche Geburt gehört mit zu den wundervollsten Erlebnissen, an die ich mich erinnere. Die 4 Kleinen (1Katze und 3 Kater) waren von Beginn ihres Lebens Mittelpunkt unserer Familie.

Jeden Tag verbrachten wir Stunden damit, „unsere“ Katzenkinder zu beobachten. Die Zeit des Heranwachsens verging wie im Flug. Mit fünf Wochen bereits unternahmen die 4 kleinen „Rabauken“ erste Ausflüge in den Garten. Ich bin heute noch sicher, dass es einfacher ist, einen Sack Flöhe zu hüten: Andauernd gab es etwas Neues zu entdecken und es kam nicht selten vor, dass eins der Kleinen plötzlich verschwunden war. Schnurre, die meist dösend im Garten lag, konnte meine Aufregung überhaupt nicht verstehen. Für sie war es selbstverständlich, dass kleine Kätzchen die Welt entdecken müssen. Ich war sehr froh, dass Schnurre mir diese Gelassenheit vermittelte.

Nach diesen täglichen Ausflügen kehrte dann zumindest für 2 Stunden mal Ruhe ein. Die Kleinen waren restlos geschafft und brauchten erst mal einen Erholungsschlaf. Den hätte ich mir auch gern gegönnt, aber außer den Katzenkindern gab es ja auch noch all die anderen Tiere, für die ich sorgen musste.

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Trotz aller Mühe und Anstrengung bin ich heute noch unendlich dankbar, diese Katzenbabys erlebt zu haben. Leider waren die meisten von ihnen nur einige Jahre an unserer Seite.

Aber nun weiter mit meinem „tierischen Lebenslauf“:

Nachdem ich im September 1999 die Ausbildung zur Krankenschwester in Eickelborn beendet hatte, arbeitete ich ab Oktober 1999 auf einer Pflegestation. Ich absolvierte meine Dienste ausschließlich als Nachtwache, da es mir wichtig war, die Tage mit meinen Tieren verbringen zu können. Die Nachtarbeit war zwar sehr anstrengend, ich hätte aber trotzdem nicht mit dem Tagdienst tauschen mögen.

In einer dieser Nachtwachen, das muss so ungefähr Mitte 2000 gewesen sein, sah ich während einer Pause einen Bericht auf ARTE. Es ging dabei eine Frau in Amerika, die mit Tieren sprach. Total gebannt verfolgte ich diesen Bericht. Ich beneidete diese Frau für ihren Mut, in aller Öffentlichkeit zu ihrer Fähigkeit zu stehen.

Das was sie mit und für die Tiere tat, war für mich selbstverständlich. Aber im Gegensatz zu ihr verkroch ich mich wie ein Maulwurf. Diese Gedanken beschäftigten mich noch die ganze restliche Nacht hindurch. Jetzt endlich fasste ich den Beschluss, zu meiner Kommunikation mit den Tieren zu stehen und diese auch zu meinem Beruf zu machen, falls ich irgendwann nicht mehr in der Klinik arbeiten könnte. Damals ahnte ich noch nicht, wie schnell dieser Fall eintreten würde.

Schon endlos lange Stunden schiebe ich nun diesen Teil vor mir her…

Ich würde ohne meine Sehschwäche immer noch Nachtwachen machen und davon träumen, wie schön es wäre, mit den Tieren auch fremder Menschen zu reden und dadurch vor allem für die Tiere etwas zu verändern: ich hätte mich nicht getraut, meinen sicheren Job aufzugeben.

Bis zu meinem 10. Lebensjahr konnte ich sehen wie ein Adler. Bis zum 14. Lebensjahr begannen meine Sehnerven in beiden Augen dann zu schwinden. Dies blieb zunächst noch unbemerkt. Nachdem aber in der Schule deutliche Einschränkungen beim Entziffern von Texten an der Tafel auftraten, war ein Besuch beim Augenarzt unumgänglich. Dieser erste Besuch war der Beginn einer endlosen Untersuchungsreihe bei verschiedenen Augenärzten, Neurologen und Kliniken.

In all den Jahren standen die Ärzte vor einem Rätsel. Es gab keinen Zweifel, dass ich an einem beidseitigen Schwund der Sehnerven litt. Allerdings konnte niemand die Frage nach dem Warum beantworten. Der Verlauf der Erkrankung war zudem unregelmäßig. Manchmal passierte ein Jahr lang gar nichts, dann wiederum setzte ein weiterer Verlust der Sehkraft ein. Im Rückblick auf diese Zeit erinnere ich mich an viel Trauer und Verzweiflung.

Seit September 2001 arbeite ich nicht mehr in der Klinik. Der Grund dafür war ein weiteres, massives Nachlassen der Sehkraft. Ich wurde sozusagen von meinen Augen gezwungen, die Arbeit in der Klinik zu beenden. Zunächst, und dieser Zustand dauerte rund 4 Wochen, war ich ziemlich verzweifelt.

Doch langsam, aber dafür umso sicherer wurde mir klar, dass der Verlust des Sehens auch eine riesige Chance für mich war. Ich erinnerte mich an Gedanken, die ich im Laufe meines Lebens hatte und die ich nun endlich in die Tat umsetzen konnte. Und nach endlos langen Gesprächen mit meinen wundervollen Tierfreunden war mein Weg für mich klar: ich würde die Tierkommunikation nun endlich zu meinem Beruf machen.

Vor dem Zwangsausscheiden aus meiner sicheren Arbeitsstelle aufgrund mangelnder Sehfähigkeit hätte ich wahrscheinlich niemals den Mut gehabt, in eine selbstständige Tätigkeit zu wechseln. Natürlich hätte ich auch die Möglichkeit gehabt, eine weitere Umschulung zu beginnen. Aber das wollte ich auf gar keinen Fall.

Heute ist es so, dass ich auf dem rechten Auge erblindet bin. Die Sehkraft auf dem linken Auge ist bis auf einen winzigen Rest eingeschränkt. Zwar bin ich in manchen Dingen und Fertigkeiten stark durch dieses optische Nicht-Sehen eingeschränkt – dennoch, ich komme gut zurecht.

Manchmal bin ich fast froh bei dem Gedanken, dass ich mich während des Gedankenaustausch mit einem Tier nicht zusätzlich darauf konzentrieren muss, mich von optischen Reizen nicht ablenken zu lassen. Ich bin dankbar dafür, dass ich es geschafft habe, in dem Verlust meines Augenlichtes eine gute Botschaft zu sehen.
Wenn ich könnte, so würde ich allen Menschen mit einer Einschränkung großen Mut machen wollen, ihr Schicksal anzunehmen. Nichts auf dieser Welt geschieht ohne Grund.
Wenn wir Menschen alle ein wenig mehr Akzeptanz und Annahme an den Tag legen würden,
wäre sicherlich manches Schicksal viel einfacher.

Dieser lange, zum Teil sehr schmerzhafte Weg führte mich zu meinem heutigen Leben: Seit April 2002 wohnen wir in Langenberg. Wir haben hier ein Haus mit einem großen Grundstück gekauft, auf dem die Möglichkeit besteht, vielen Tieren ein Zuhause zu geben. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich heute hier habe, denn es ist mir unendlich wichtig, für Tiere und natürlich auch für Menschen etwas zu verändern.

Es gibt viele, viele Gespräche, die ich mittlerweile mit Tieren aller Art geführt habe. Für jedes einzelne bin ich dankbar. Es ist ein großes Glück, in Situationen, bei denen sowohl Tier als auch Mensch nicht glücklich ist, etwas zu verändern.

Und dann meine Seminare: Ich sehe die Möglichkeit, den Menschen die gedankliche Kommunikation mit den Tieren wieder näher bringen zu dürfen, als großes Geschenk. Es macht mich stolz und glücklich miterleben zu dürfen, mit wie viel Eifer und Geschick meine Tierfreunde dabei sind, den Menschen Mut und Sicherheit zu geben. Es ist so einfach, die Gedanken der Tiere wahrzunehmen. Das Leben ist so einfach.

Wie viele wundervolle Menschen durfte ich auf meinem bisherigen neuen Weg kennen lernen, zu denen eine tiefe Verbindung  entwickeln konnte. Ich bin dankbar für jede Begegnung mit einem Menschen, dessen Herz für ein Tier schlägt.

Ich weiß, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Es gibt unzählig viele Tierschicksale, in denen Menschen alles andere als liebevoll oder auch nur achtungsvoll mit ihnen umgehen.

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Es ist mir sehr wichtig, auch diese Menschen zu erreichen.
Ich weiß – und auch das mit Hilfe meiner Tierfreunde – wenn ich etwas verändern möchte, dass ich nur einen einzigen Weg wählen kann:
Den Weg der Liebe.
Durch Wut, Enttäuschung oder Anklage gegen Menschen, die Tiere nicht gut behandeln, würde ich alle Türen sofort zuschlagen.

Meine große Bitte an die Menschen ist, über ihr Tun und Handeln auch den Tieren gegenüber nachzudenken. Wenn wir nicht in Gedankenlosigkeit versinken, können wir viel verändern.
Danke, Danke, Danke! an all die Menschen, die diesen langen Bericht über mein Leben gelesen haben. Vielleicht werden wir uns irgendwann einmal persönlich kennen lernen.