Der Gedankenaustausch mit Tieren

Tiere warten auf unsere Gesprächsbereitschaft

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Ist es Ihnen gelungen, einen kleinen Dialog mit Ihrem Tier zu führen?
Was haben Sie dabei empfunden?

Manche Menschen, die erstmals mit ihrem Tier kommuniziert haben, sagen mir, es wäre wie
das Betreten einer neuen, unbekannten – aber sehr verlockenden Welt.
Vor allem aber sehen sie ihr Tier, dass sie zu kennen glaubten, jetzt mit ganz anderen Augen.

Jetzt möchte ich Ihnen an einigen Beispielen zeigen, wie sehr die Tiere auf uns Menschen eingehen,  um uns die ersten Schritte auf dem Weg des Gedankenaustausches mit ihnen zu erleichtern.

Jeder meiner Tierfreunde hat seine eigene Kommunikationsmethode:

Jiffel, ein Ponyhengst, hat eine ganz besondere Art, seinen Gesprächspartnern den Austausch
von Gedanken zwischen Mensch und Tier vertrauter zu machen.
Wie oft schon habe ich ihn bewundert, mit welcher Kraft und  Leichtigkeit er seine Gedanken
an die Teilnehmer übermittelt.
Zu Beginn der Seminare, wenn für die Teilnehmer alles noch ganz neu und kaum zu glauben ist,
unterlegt Jiffel seine Botschaften, die er gedanklich sendet, häufig durch eine körperliche Geste.
Fragen Teilnehmer zum Beispiel, ob er vielleicht gerne eine Leckerei hätte, ist Jiffels Reaktion
fast immer gleich. Er übermittelt seine große Begierde nach einem Leckerchen.
Klar, dass die Menschen dann erst mal denken, dass sie sich das eingebildet haben.
Wenn sich Jiffel dann aber direkt vor sie hinstellt, sie sehr intensiv ansieht und mit einem
Vorderbein zu scharren beginnt, sind die meisten schon überzeugt, es muss etwas bei ihnen
angekommen sein. Mir ist es wichtig, dass die Tiere während der Seminare nicht gefüttert
werden, damit nicht unter Umständen der Verdacht entsteht, so ein Verhalten sei antrainiert.
Die Teilnehmer, die sich auf Jiffel einlassen, stellen auch sehr schnell fest, bei einem anderen Thema verhält er sich vollkommen anders . Gerade mit Jiffel ist es ausgezeichnet möglich, auch sehr ernsthafte „Gespräche“ zu führen.
Jiffel kann gedanklich auch sehr energisch werden. Er überzeugt die Teilnehmer dann einfach,
indem er Antworten übermittelt, mit denen wirklich niemand gerechnet hätte.

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Ganz anders ist das bei meiner lieben Eselfreundin Bella:
Wenn ich sie mal ganz kurz beschreiben sollte – Bella ist eine Mischung aus Geduld, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Kaum zu glauben, mit welcher Ausdauer sie die Menschen unterstützt.
Von Bella, ganz im Gegensatz zu Jiffel, wäre kaum mit gedanklicher Dominanz zu rechnen.
Sie ist einfach nur sanft, sowohl gedanklich als auch körperlich.

Ein  Beispiel gefällig?
Am Samstagnachmittag fühlte sich eine Teilnehmerin ganz besonders
von Bella angezogen. Also war auch sofort klar, die beiden müssen sich gedanklich austauschen.
Als die Frau die Frage stellte, was denn Bellas Lieblingsbeschäftigung sei, bekam sie sofort ein
ganz behagliches, weiches und vertrautes Gefühl. Die Frau konnte noch nicht wirklich deuten,
was Bella denn nun damit meinte. Kurz entschlossen ging Bella ganz nah an die Frau heran, legte ihren Kopf ganz dicht an ihre Schulter und startete dann eine ausführliche ‚Schmuse-Runde‘.
Mit Leichtigkeit konnte nun die Teilnehmerin die vorausgegangenen Gedanken zuordnen.
Auch in den nachfolgenden Gesprächen mit den anderen Tieren war es für sie nun erstaunlich
einfach, Gedanken richtig einzuordnen. Bella hatte ihren Weg gut geebnet.

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Kommen wir jetzt zu meiner Ziegenfreundin Paula:
Sie ist ungeduldig, witzig und sehr fordernd – durchaus dienliche Eigenschaften, um den
Teilnehmern zu vermitteln, wie einfach es ist, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Ein Gespräch mit Paula zu führen, ist ein Abenteuer mit vielen Überraschungen. Denn für Paula
ist einfach nicht nachzuvollziehen, dass es auch Menschen gibt, die sie nicht sofort verstehen
und dann auch demzufolge nicht auf ihre Wünsche eingehen. Paula bemüht sich schon sehr,
den Menschen auf ihrem Weg, die Tiere zu verstehen, zu helfen. Allerdings ist sie nicht die
Allergeduldigste. So ist es durchaus schon vorgekommen, dass sie Zettel, die die Teilnehmer
zu den Gesprächen mit den Tieren mitführen, kurz entschlossen aufgefressen hat. So bekundet
sie ihre Ungeduld.

Nun habe ich Ihnen drei meiner Tiergefährten vorgestellt – d.h. ihr Verhalten speziell bei den Seminaren etwas näher beschrieben.

Ich erzähle Ihnen alles so ausführlich, um deutlich zu machen, welche eigenen Ideen die Tiere im Laufe der Zeit entwickeln.

Bitte erwarten Sie nicht von Ihrem Tier, dass dieses ohne größere Erfahrung auch solche Hilfestellung leisten kann.
Sowohl den Tieren – als natürlich auch den Menschen – sollte man Zeit geben, sich an neue
Herausforderungen heranzutasten.

Das Reden und das Verstehen der Tiere ist wie Laufen lernen. Wenn Sie an Ihre eigene Kindheit zurückdenken, müssen Sie sicherlich zugeben, es brauchte schon eine gewisse Zeit, bis Sie sicher auf den Beinen standen. Nehmen Sie sich bitte auch Zeit, sich auf den gedanklichen
Austausch mit den Tieren vorzubereiten. Und geben Sie diese Zeit auch bitte Ihrem Tier.

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Auch hierfür ein Beispiel:

Gitano – er war einer meiner Schafsgefährten. (Leider ist er – im hohen Alter – 2015 gestorben.)
Er war, nach anfänglichen Schwierigkeiten einer meiner wichtigsten Kommunikationslehrer. Es war ihm ein leichtes, die Menschen auf den Seminaren gedanklich anzusprechen und diese dann auch wirklich zu erreichen. Er war dabei sehr gelassen und geduldig. Er hat über die Jahre gelernt, dass er damit am schnellsten ans Ziel kommt.

Bei seinem ersten Seminar war das noch ganz anders.
Kurz seine Vorgeschichte:  Gitano kam schon als winzig kleines Schafskind zu uns. Er war erst
wenige Tage alt. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt.  Nur drei Tage vor Gitanos Einzug war Skippy bei uns eingetroffen – ebenfalls ein winziges Schafskind, deren Mutter es nicht schaffen konnte, Drillinge zu ernähren. Ich zog die Schafskinder mit der Flasche auf. Sie waren also auch  vom ersten Tag an daran gewöhnt, Gedanken mit mir auszutauschen. Eigentlich war das auchganz einfach für sie
– im Grunde genommen machten sie ja mit mir nichts anderes als untereinander auch.

Sie waren erst wenige Monate alt, als dann das erste Seminar auf dem Programm stand. Um meine neuen Tierfreunde vorzubereiten, beschrieb ich Skippy und Gitano ausführlich den Ablauf und bereitete sie auch auf die anfängliche Unsicherheit der meisten Menschen vor.
Skippy war sehr erstaunt, dass es wirklich Menschen geben sollte, die die Gedanken der Tiere
nicht wahrnehmen. Skippy ist oder – besser gesagt – war sehr zurückhaltend und scheu.
Sie gab mir auch ganz deutlich zu verstehen, dass sie lieber nicht mitarbeiten würde.
Es ist mir sehr wichtig, meine Tiere arbeiten nur mit, wenn dieses ohne Unsicherheit und dafür mit viel Freude geschieht. Ich beruhigte Skippy und erklärte ihr, sie solle sich das Geschehen erst mal aus der Entfernung ansehen.
Ganz anders war die Vorbereitung bei Gitano. Für ihn gab es überhaupt keine Frage, ob
er nun mitarbeiten wollte oder nicht. Für ihn stand von Anfang an fest, dass er diese Aufgabe ohne große Anstrengung bewältigen könne.
Er ließ sich überhaupt nicht auf Hilfestellung und Erklärung seitens meiner ein. Na ja, er war so
von sich selber überzeugt – also ließ ich ihn gewähren.
Und dann war es soweit. Seminar-Wochenende!
Ich lasse die Teilnehmer immer selber entscheiden, mit welchem Tier sie die jeweiligen
Gespräche führen wollen. Gleich in der ersten Runde wählte eine Frau Gitano. Ich begleitete
die Teilnehmer nach draußen, um ihnen auch noch letzte Ratschläge mit auf den Weg zu geben.
Skippy und Gitano standen ziemlich am Ende der Wiese. Als Gitano uns bemerkte, forderte
er Skippy sofort gedanklich auf, ihn zu seinem großen Auftritt zu begleiten. „Los komm mit,
da kommt eine.“ Skippy zögerte noch. Nicht so Gitano – ohne auch nur die kleinste Unsicherheit
lief er in flottem Tempo auf die Teilnehmerin zu. Na, das sah ja sehr vielversprechend aus. Ich
überlies Mensch und Schaf ihrem Gespräch und schaute bei den anderen Teilnehmern vorbei, um zu  gucken, ob auch sie zurecht kamen. Es lief alles supergut, ich war mit dem Einsatz meiner tierischen Freunde mehr als zufrieden.

Nach jedem Gespräch treffen sich alle Teilnehmer wieder, um von ihren Erfahrungen zu
berichten. Dann war Gitanos Gesprächspartnerin an
der Reihe. Sie hielt ein unbeschriebenes Blatt in der Hand und machte einen ziemlich
bekümmerten Eindruck. Dann erzählte sie: „Bei mir war alles ganz anders. Gitano lief auf
mich zu und ich fühlte mich irgendwie ganz komisch bedrängt. Es war fast so, als würde er
mich auffordern, doch endlich etwas zu fragen. Und so ging es ohne Unterbrechung weiter.
Ich hätte ja gerne etwas gefragt, aber eigentlich ließ er durch seine fordernden Gedanken
meine eigenen gar nicht zu. Das war fast ein wenig unheimlich und ich zog es dann vor,
besser wieder zu gehen.“
Ich tröstete die Teilnehmerin und versprach ihr, dass sie beim nächsten Gespräch erfolgreicher
sein würde. (Eigentlich war das Gespräch schon klasse, denn sie hatte Gitanos Gedanken
korrekt erfasst – aber es war nun ja ’nicht wirklich‘ ein Dialog.)

Ich nutzte dann die nächste Runde, um mich um Gitano zu kümmern. Was war denn da bloß
schiefgegangen? Gitano stand abseits auf der Wiese und ließ seinen Kopf hängen. So bekümmert
hatte ich ihn überhaupt noch nicht gesehen. Ich übersetze unser Gespräch gleich in Worte.
„Was ist passiert?“
„Ich glaube, ich hab was falsch gemacht!“ Gitano war ganz betroffen und sehr ruhig.
Er erklärte mir, dass er voller Begeisterung losgestürmt sei, um mit der Frau zu „reden“.
„Obwohl ich sie ganz doll aufgefordert habe, hat sie mich überhaupt nichts gefragt.
Ob sie mich nicht leiden mochte?“

Ich konnte ein Schmunzeln kaum verbergen. Was war aus meinem überheblichen, voller
Begeisterung strotzendem Gitano geworden? Er zweifelte nur noch an sich.
Ganz vorsichtig erklärte ich ihm, dass es bei den Gesprächen mit Menschen, die an
diese Form der Verständigung nicht gewöhnt sind, sehr darauf ankomme, dass die Tiere
sehr behutsam, vorsichtig und mit ganz viel Geduld auf die Menschen zugehen.
Gitano wurde sehr nachdenklich. Ich ließ ihn erst mal allein, um mich wieder
den Teilnehmern zuzuwenden.
An diesem Nachmittag führte Gitano dann noch zwei weitere Gespräche. Auch seine aller
erste Gesprächspartnerin konnte ich überreden, es noch einmal mit ihm zu versuchen.
Als sie nach dem Gespräch wieder zurückkam, hielt sie ein voll beschriebenes Blatt in den
Händen. „Was hast Du denn mit dem gemacht. Der war ganz anders als beim ersten Mal.
Die Ruhe selbst, geduldig und super freundlich.“
Ich erklärte ihr, dass Gitano bei seinem ersten Gespräch einfach noch zu unerfahren
und auch ungeduldig war.
An diesem Abend, als alle Teilnehmer schon gegangen waren, bedankte ich mich besonders bei
Gitano für seine Mitarbeit. Ich lobte ihn sehr, weil er nun ganz anders mit den Teilnehmern umging.

Diese Geschichte zeigt, dass wir auch den Tieren etwas Zeit geben müssen.
Für die Tiere ist der Gedankenaustausch das Allernormalste. Gerade bei den im Austausch mit
menschlichen Gedanken ungeübten Tieren fällt es diesen nicht immer leicht, das Zögern von uns Menschen zu verstehen.

Bitte haben Sie dafür Verständnis und bitten Sie Ihr Tier, ganz behutsam mit Ihnen umzugehen.

Vertrauen Sie Ihrem Tier – vertrauen Sie sich selber.

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Möchten Sie zum Abschluss jetzt wieder eine kleine Übungsaufgabe für Sie und Ihr Tier?

Sie erinnern sich: Es ist wichtig, eine ruhige Stimmung zu haben.

Jetzt konzentrieren Sie sich wieder ganz und gar auf Ihr Tier.

Sagen Sie in Worten: „Bitte sieh mich an.“

In Gedanken stellen Sie sich bildlich vor, dass Ihr Tier den Kopf zu Ihnen wendet und Sie ansieht.

Sie können diese Übung noch etwas unterstützen, indem Sie zusätzlich zu der bildlichen
Vorstellung auch noch den gefühlsmäßigen Wunsch senden.
Legen Sie ganz viel Kraft in Ihren Wunsch.

 

Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß und Freude.

Viel Erfolg!