Spinnen – Künstler bis zur Perfektion

Für viele Menschen ist das Thema „Spinnen“ eine echte Herausforderung. Nicht selten war ich dabei, wenn Personen beim Anblick einer Spinne in wahre Panik ausbrachen. Es ist mir ein großes Bedürfnis, auch für diese Tiere Partei zu ergreifen. Wenn Sie diese Geschichte gelesen haben, werden Sie vielleicht bei der nächsten Begegnung mit einer Spinne diese ganz anders wahrnehmen können. In meinem Leben gab es schon sehr viele Begegnungen mit Spinnen.
Ich bin davon überzSpinnennetz-Herbst-webeugt, dass es sich um sehr schlaue Tiere handelt. Mein beeindruckendes Erlebnis war das Begegnen mit einer in einem Terrarium lebenden Vogelspinne. Auch wenn diese Geschichte schon viele Jahre zurück liegt, habe ich sie noch gut in Erinnerung.
An jenem Nachmittag war ich zu einem Pferdetermin. Das Gespräch verlief ohne Schwierigkeiten. Nachdem alle Fragen von der Besitzerin abgefragt worden waren, lud mich diese noch auf einen Kaffee ein. Es ist immer schön, dass geführte Gespräch mit einem Tier noch einmal mit dem dazugehörigen Menschen zu besprechen. Nachdem dieses geschehen war, sagte die Frau, dass sie noch eine Bitte habe. Ich war gespannt, denn das Gespräch mit dem Pferd hatte eigentlich keine Fragen mehr offen gelassen. Aber es kam ganz anders. Die Frau erzählte, dass ihr Freund ein Terrarium habe, in dem er eine Vogelspinne halte. „Können Sie mit so einem Tier auch reden?“
Die großen Zweifel der Frau daran waren deutlich wahrnehmbar. Ich sagte ihr dazu, dass es eigentlich kein Tier gebe, mit dem man gedanklich nicht in Kontakt treten könne. Sie führte mich in einen angrenzenden Raum. An einer Wand stand ein riesiger Behälter aus Glas. Das Terrarium. Ich stand direkt vor der Scheibe. Es war mir schon sehr wichtig, die Spinne auch optisch erkennen zu können. Schließlich bekommt man nicht oft die Gelegenheit, ein solches Tier anzusehen. Ich nahm mein immer mitgeführtes Sehrohr, das mir ermöglicht, alles ein wenig klarer zu betrachten, aus der Tasche. Ich suchte damit die gesamte Fläche des Terrariums ab. Es dauerte einige Momente, bis ich fündig wurde. Ziemlich in der Mitte kauerte eine riesengroße Spinne. Ich war sehr beeindruckt. Ohne auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken, sprach ich sie gedanklich an. Bei den meisten Tieren erfolgt schon in der ersten Sekunde eine Reaktion. Oft erscheinen sie verwundert, neugierig oder sogar erstaunt. Die Spinne zeigte keine Reaktion. Aber auch gar keine. Ob sie mich nicht verstanden hatte? Das konnte doch nicht sein. Ein klein wenig verunsichert probierte ich es erneut. Tatsächlich! Sie reagierte. Aber ganz anders, als ich erwartet hatte. Damit Sie mein Erstaunen verstehen können, fasse ich das Gespräch für Sie in Worten zusammen. „Liebe Spinne, hast Du mich nicht verstanden? Ich finde Dich sehr schön und ich würde gern ein paar Gedanken mit Dir austauschen. Ich rede sehr oft mit Tieren.“ Natürlich muss ich zugeben, dass ich sie damit ein wenig beeindrucken wollte. Aber mein Plan ging nicht auf. „Hast Du bei Deinem ersten Versuch nicht gemerkt, dass ich keine Lust habe, mit Dir in Verbindung zu treten? Das hätte Dir auffallen sollen! Wie kann es sein, dass Du wagst, mich am helllichten Tag anzusprechen. Ihr Menschen solltet für uns Tiere etwas, zumindest etwas mehr Verständnis aufbringen. Wie wäre es für Dich, wenn ich zu Deiner tiefsten Ruhezeit ein Gespräch mit Die führen wollte?“ Die Gedanken der Spinne erreichten mich zutiefst. Ich hatte keine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich sie vielleicht stören könnte. Ich entschuldigte mich bei der Spinne für mein rücksichtsloses Verhalten. „Es tut mir sehr leid, dass ich Dich gestört habe. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Entschuldige. Ich weiß, dass ich jetzt gehen sollte. Aber ich hätte noch eine große Bitte an Dich. Würdest Du einmal aufstehen. Ich möchte Dich so gerne richtig sehen.“ Mir war sehr bewusst, dass ich dabei war, den Bogen endgültig zu überspannen. Aber ich wollte die Spinne so gerne in ihrer ganzen Größe sehen. Und ich hatte sie sowieso schon gestört. Von der Spinne kam keine Reaktion. Weder gedanklich noch körperlich. Gerade in dem Moment, als ich mich verabschieden wollte, streckte sie ihre Beine aus. Sehr langsam begann sie, sich aufzurichten. Nach wenigen Sekunden stand sie in ihrer ganzen Größe. Sie war riesig. Ich war zutiefst beeindruckt. Schon Augenblicke später sank sie wieder in sich zusammen. „Danke dass Du das für mich getan hast. Du bist wunderschön. Danke. Ich verspreche Dir aus tiefstem Herzen, dass ich zu den Spinnenruhezeiten nie wieder ein Tier stören werde.“ Die Spinne ließ sich nicht mehr auf einen Gedankenaustausch ein. Aber das war auch nicht mehr wichtig. Ich war sehr glücklich, dass sie das für mich getan hatte. Ganz tief in meinem Herzen trage ich dieses Erlebnis immer bei mir. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Spinnen üben auf mich selbst eine große Faszination aus. Betrachten wir doch allein die Kunst des Anlegens eines Spinnennetzes. Ist nicht ein jedes für sich ein Kunstwerk? Ich habe versucht, so etwas nachzubauen. Aber selbst mit ausgeklügelten Hilfen war ich nicht in der Lage, so etwas nachzubauen. Ich würde mich freuen, wenn Sie selbst einmal einen Versuch starten. Für uns Menschen ist das nicht der Rede wert. Bei Spaziergängen fällt uns vielleicht das eine oder andere Werk dieser Tiere auf. Aber ist das für uns erwähnenswert? Ganz bestimmt werden Sie in Ihren Wohnräumen das eine oder andere Mal auf eine Spinne treffen. Bitte versuchen Sie, sich gedanklich auf das Wesen einzulassen. Bitten Sie sie, den Raum zu verlassen. Sie sollten Ihr natürlich eine Möglichkeit bieten, das Erbetene auch in die Tat umzusetzen. Legen Sie an eine Stelle, die für die Spinne gut erreichbar ist, eine Dose oder einen Plastikbecher. Wenn Sie der Spinne das gedanklich zeigen, bin ich sicher, dass sie Ihren Vorschlag annehmen wird. Wenn sie in dem Gefäß sitzt, können Sie sie in einen Garten tragen. Sie werden staunen, wie gut das funktioniert. Vergessen Sie bitte nicht, sich bei dem Tier zu bedanken. Jede Spinne, egal ob groß oder klein, ist in der Lage Ihre Gedanken wahrzunehmen. Der Versuch lohnt sich. Ich könnte noch sehr viele Geschichten zu diesem Thema erzählen. Ganz wichtig ist, dass Sie nicht versuchen, die Spinne anzufassen. Die Spinnen reagieren sehr empfindlich. Es ist offensichtlich der Fettgehalt der menschlichen Haut, der ihnen Probleme bereitet. Wenn sie von sich aus über Ihre Hand krabbelt, ist das in Ordnung. Der Körper der Spinne sollte ansonsten für uns tabu sein. Am allerwichtigsten finde ich es allerdings, dass wir diesen Tieren, wie jedem anderen auch, Achtung, Freude und Liebe entgegen bringen.